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Thermen

Thermalkuren sind ein äußerst antiker Brauch: Bereits in den Schriften des griechischen Mediziners Hippokrates (5. Jahrhundert v. Chr.) kann man ausführliche Beschreibungen der Charakteristiken des Heilwassers und seiner therapeutischen Anwendungen finden und es ist allseits bekannt, dass die Römer die heilende Funktion des Thermalwassers mit dem gesellschaftlichen Ereignis eines Besuchs der Thermalanlagen verbanden, welche zu architektonisch wunderschönen Bauten wurden, deren Überreste man auch heute noch in ganz Europa vorfinden kann. Sogar im Mittelalter, einer Epoche, in der die Hygiene ein nur wenig verbreiteter Brauch war, da sie mit sündigen und oberflächlichen Ideen verbunden wurde, kannte und gebrauchte man dennoch bereits die heilenden Eigenschaften des Thermalwassers. Heut wie einst behandelt man mit Thermalkuren verschiedene Beschwerden: Störungen der Atemwege, Rheumatismus, Hauterkrankungen, Knochenprobleme und vieles mehr.


MINERAL- UND THERMALWASSER

Als thermale Heilmittel werden Mineralwasser, Heilschlamm und Grotten betrachtet und es existieren hervorragende Thermalanlagen in ganz Italien, die sich in erster Linie aufgrund der Charakteristiken ihres Wassers unterscheiden und insofern aufgrund der Beschwerden, die man in ihnen behandeln kann. Unter Mineralwasser versteht man hier Wasser, in dem sich Mineralstoffe in gelöster Form befinden, die vom Wasser zu Folge des Kontakts mit einem gewissen Erdboden aufgenommen wurde und die ihm heilende Fähigkeiten verleihen (was bei herkömmlichem Mineralwasser nicht der Fall ist). Ein weiterer, wichtiger Heilfaktor ist die Temperatur des Wassers, das sich erwärmt, während es tief im Erdboden bis zu seiner Quelle fließt: Aus diesem Grund fließt das Wasser bereits warm aus der Quelle und wird "thermal" genannt. In Italien ist eine Klassifizierung in Brauch, die die verschiedenen Thermalwasserarten auf der Basis der Zusammensetzung ihrer Mineralstoffe in Kategorien unterteilt: salzhaltig, schwefelhaltig, arsenhaltig, kohlensauer, bikarbonathaltig, arsen-eisenhaltig, salz-brom-jodhaltig. Jeder Typ wird für die Behandlung von einer oder mehreren Beschwerdearten verwendet. So sind schwefelhaltige Wasser z. B. sehr geeignet, um Nasenschleimhautentzündungen, Rachenentzündungen, Nebenhöhlenentzündungen, Ohrenentzündungen und Beschwerden der Atemwege zu bekämpfen.

DIE BEHANDLUNGEN

In erster Linie sollte man bedenken, das Thermalkuren im Fall von chronischen Störungen sehr wirksam sind, wie z. B. von Hals, Nase und Ohren, oder auch der Knochen und Gelenke, wie Arthrose und Rheuma, und der Haut, wie Akne verschiedenartige Dermatitis. Die Behandlungsmethoden mit Thermalwasser sind verschieden. So wird bei einer Methode das Trinken des Thermalwassers verschrieben: Eine klassische Darstellung der Thermalkuren sind Patienten, die mit einem Glas Wasser, das in kleinen Schlucken getrunken werden muss, durch die Anlage spazieren. Hierzu fügen sich die Bäder, bei denen die Heilkraft des Wassers auf dessen Kontakt mit der Haut oder den inneren Schleimhäuten basiert: Bei dieser Behandlung steigt man in Wannen oder Becken mit Thermalwasser (d. h. es ist bereits von Natur her warm) oder erwärmtem Wasser, oder aber man wird mit demselben Wasser abgeduscht. Die Wassertemperatur reicht von lauwarm, d. h. weniger als 34°C, bis warm (34- 38°C) und die Dauer des Bads reicht von 10 bis 40 Minuten. Duschen mit Thermalwasser werden schließlich auf verschiedene Arten und Weisen durchgeführt, mit verschiedenen Stärken, Ausrichtungen des Duschstrahls, u.s.w. Ein Whirlpool ist eine spezielle Unterwasserdusche und es handelt sich um eine Technik, die die Stärke des Wasserstrahls dämpft und so eine sanfte Massage ausübt. Eine weitere, sehr verbreitete Behandlungsart ist die Inhalation: In diesem Fall lässt man das Mineralwasser, in Form von kleinen Tropfen und Dampf, dank einfacher Vorrichtungen direkt in Kontakt mit den Atemwegen kommen, um so Rachen, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien zu erreichen und zu behandeln. Bei Thermalkuren wird, wie bereits erwähnt, auch Heilschlamm verwendet, der besonders in jenen Fällen nützlich ist, in denen eine entzündungshemmende und schmerzstillende Funktion erfordet wird, d. h. bei der Behandlung von verschiedenartigen Schmerzen oder Muskelschwächung, zur Anregung des Stoffwechsels und zur Kräftigung des Immunsystems. Bei dieser Behandlungsart wird der warme Heilschlamm auf dem gesamten oder einem bestimmten Teil des Körpers verteilt (mit Ausnahme von Kopf, Rumpf und Genitalbereich) und daraufhin mit Tüchern abgedeckt, um die Wärme des Heilschlamms beizubehalten; nach höchstens 20 Minuten werden die Tücher entfernt und in einem sehr warmen Bad (oder unter einer sehr warmen Dusche) entfernt man dann den Heilschlamm; die Behandlung wird von einer 30-60 Minuten langen Ruhephase vervollständigt, während der man gut zugedeckt auf einer Liege ausgestreckt ist. Eine Thermalkur in Grotten sieht hingegen einen Aufenthalt in einer Umgebung vor, in der ein spezielles Mikroklima vorherrscht, d. h. eine bestimmte Kombination von Temperatur, Feuchtigkeit und in der Luft enthaltenen Gasen. Im Allgemeinen handelt es sich hierbei um eine natürlich warme Grotte, deren Temperatur der Anwesenheit einer Thermalquelle oder der Nähe einer vulkanischen Zone zu verdanken ist, aber es existieren auch künstliche Grotten, d. h. Räume, in denen man die entsprechenden Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen speziell kreiert. Einem Aufenthalt in einer Grotte, der nüchtern erfolgen muss, folgt ein Bad oder eine Dusche mit Thermalwasser und daraufhin 20-40 Minuten Ruhephase, umwickelt mit warmen Decken, wie nach der Behandlung mit Heilschlamm. Diese Behandlungsart ist nützlich im Fall von Rheuma, Beschwerden der Gelenke und auch Entzündungen der Atemwege.

NICHT NUR THERAPIE

Heute bedeutet Gesundheit zum Glück vor allem Vorbeugung und das Ziel eines allgemeinen, physischen und psychischen Wohlbefindens. Die Thermen sind der ideale Ort, um sich all dies zuzusichern. November ist z. B. der günstigste Monat, um sich einem Inhalationszyklus zu unterziehen und so unsere Atemwege vor den Einflüssen des Winters zu schützen. Ein oder mehrere kurze "Urlaube" im Laufe des Jahres sind außerdem äußerst wichtig, um uns vom täglichen Stress zu erholen und unser Gleichgewicht wiederzufinden, das manchmal von einem allzu hektischen Alltagsrhythmus gefährdet wird. Daher bieten immer mehr italienische Thermalanlagen stressabbauende, wohltuende und "ausgleichende" Wochen- oder auch Wochenendaufenthalte an, die nicht nur vorbeugende, sondern auch kosmetische Behandlungen umfassen, wie z. B. die tiefgehende Reinigung der Haut oder entspannende, entkrampfende Massagen. Das muss man probiert haben.

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