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Ein Tag in Venedig auf der Suche nach "Cicchetti"

Die Kunststädte sind einer der wertvollsten Schätze Italiens, aber um eine Ortschaft eingehend kennen zu lernen, genügt es manchmal nicht, nur Museen, Pinakotheken und historische Gebäude zu besichtigen.

In der Tat existieren auch noch andere Arten des Kennenlernens, die zweifellos erlebenswert sind, auch wenn sie auf den ersten Blick weniger orthodox erscheinen können, als die klassischen kunst-geschichtlichen Touren.


DIE DÜFTE UND AROMEN VENEDIGS
Die Idee ist, die Küche Venedigs zum Leitfaden des Besuchs dieser außerordentlich berühmten Stadt zu machen und hierzu reicht es nicht, sich in ein Restaurant zu setzen und beim Ober eine reiche Auswahl aus der Speisekarte zu bestellen.

Man kann hingegen ein anderes Venedig entdecken, das weniger bekannt ist und parallel zu jenem existiert, das tagtäglich von Millionen an Touristen besichtigt wird. Um die Farben, Klänge und Düfte zu genießen, die diese einzigartige Stadt so lebendig und originell machen, braucht man bequeme Schuhe und die Energie, früh aufzustehen und spät ins Bett zu gehen: die Mühe lohnt sich ohne Zweifel.
AUFSTEHEN
Die Tour beginnt gegen sechs Uhr morgens, egal ob Sommer oder Winter, da es sich das ganze Jahr über lohnt, die Atmosphäre dieser Tageszeit zu erleben, Dezembernebel eingeschlossen.
Auf das Frühstück wird zunächst einmal verzichtet, um es unterwegs nachzuholen. Um diese Uhrzeit ist Venedig, ohne den gewohnten Tumult der Touristen, ganz anders und die Stille ist die erste wahre Neuigkeit, die man hier entdeckt. Ein weiterer faszinierender Aspekt sind die Gespräche der Einheimischen in venezian, dem lokalen Dialekt, der tagsüber Italienisch und Englisch Platz macht. Es handelt sich um eine wohlklingende und antike Sprache, der es sich lohnt zuzuhören, auch wenn sie nicht immer einfach zu verstehen ist.

In erster Linie sollte man direkt in Richtung der Bäckereien zielen und dem Duft des frischen Brots und der sogenannten "Focacce", einer Art Fladen, folgen, welche auch heute noch in Körben aufbewahrt werden. Mit ein wenig Glück kann man auch auf einen Bäcker stoßen, der gerade eben challà zubereitet hat, das "Samstagsbrot", eine Spezialität der jüdischen Gemeinschaft in Venedig, die es sich lohnt, zu kosten. Sollte dieses nicht erhältlich sein, dann ist es an der Zeit Bekanntschaft mit baìcoli, bussolài, galàni und zalèti zu machen, die typischen Gebäcke der Stadt, die mit Maismehl zubereitet werden und von denen es einige nur zur Karnevalszeit gibt. Man sollte sie entlang einem der vielen Kanäle der Stadt genießen, während man sie in einen dampfenden Cappuccino tunkt.

Ist der erste Hunger gestillt, kann man sich in die Gegend der Rialto-Brücke begeben, um eine der lokalen Institutionen besichtigen: Den Fischmarkt. Man darf hier nicht zu spät ankommen, um ihn in vollsten Zügen zu genießen, das heißt wenn die Verkaufsstände noch von den typischen Fischarten der Lagune und einer unendlichen Vielfalt an Muscheln und Schalentieren überquellen. Eine Tradition, die seit über fünf Jahrhunderten besteht, als die Fischer noch selbst ihre Fänge an diesem, den Venezianern so lieben Ort verkauften. Inmitten von bacalà (Stockfisch), moleche (Krabben), sardele (Sardinen) und go (Meergrundel), führt ein Aufenthalt auf dem Markt von Rialto unmittelbar zum nächsten venezianischen Ritual: Dem Cicchetto.

Es handelt sich um einen kleinen, leckeren Happen, dem italienischen Gegenstück zu den spanischen Tapas, der allerdings bereits am Morgen verzehrt wird, da der Tag noch lang ist und man keine Zeit verlieren sollte.

Dazu gehört natürlich ein "ombra" (wörtlich "Schatten"), eine weitere noble lokale Spezialität, bei der es sich um ein Glas Weißwein handelt. Dieser eigenartige Ausdruck stammt wahrscheinlich von der antiken Angewohnheit der Weinhändler, ihre Schanktische im Schatten des Glockenturms von San Marco aufzustellen, um den Wein kühl aufzubewahren; im venezianischen Dialekt sagt man noch heute "andar per ombre", "den Schatten nachgehen", um das Ritual der Brotzeit am Vormittag zu bezeichnen.
Die Auswahl an Lokalen, in denen man einen Cicchetto genießen kann, ist groß, denn es gibt viele bacari (Gaststätten), die diese Leckerbissen anbieten und in ein oder zwei davon sollte man schon einkehren.

Unter den bekanntesten ist die Gaststätte Da Pinto (S. Polo 367) zweifellos einen Besuch wert, ebenso wie Vivaldi (S. Polo 1457) und die antike Dolo (Ruga Rialto 778).
Der Cicchetto, der je nach Jahreszeit und Lokal, in dem man ihn verzehrt, variiert, besteht aus einem Happen Fisch oder Aufschnitt auf Brot oder Polenta, der sowohl warm, als auch kalt serviert werden kann. Zu einem genüsslichen "ombretta" kann man daher "baccalà mantecato" (eine Creme aus Stockfisch mit Öl und verschiedenen Gewürzen), Venusmuscheln, Meeresschnecken und gekochte "moscardini" kosten (kleine, schmackhafte Polypen). Nicht zu versäumen sind außerdem die "nervetti" (gekochte Kalbsknorpel in Essig und Öl) oder die "soppressa" (eine typische, große Salami, die häufig auf einem Stück warmer Polenta serviert wird).
MITTAGSZEIT
Nicht zu vergessen: Der Cicchetto dient ausschließlich dazu, Bekanntschaften zu schließen, ein bisschen zu plaudern und die Natur der Venezianer besser verstehen zu lernen.
Das Mittagessen ist eine andere Sache und sollte auf reserviertere und ruhigere Art und Weise verzehrt werden, um genügend Zeit und Muße zu haben, die typischen Nudeln der Gegend zu genießen, die Bigoli, die einfach aber schmackhaft mit gebratenem Knoblauch, Öl und ein paar Sardellen angemacht werden, oder, sollte man Fisch nicht mögen, mit einer Sauce aus d'ànara, das heißt Ente.

Nennenswert für alle Liebhaber von langen Spaghetti sind die Spaghetti co le bibarasse, mit Venusmuscheln. Als zweiten Gang könnte man zum Beispiel Leber auf venezianische Art wählen (Kalbsleber in dünnen Scheiben, die mit Zwiebeln geschmort wird), oder, falls gerade die richtige Jahreszeit ist, frittierte moleche (kleine Krabben, die während der Häutungszeit gefangen werden, und deren Schale dann so weich ist, daß man sie mitessen kann; Moleche-Zeit ist von März bis Mai und Ende Oktober-November). Zum Schluss sollte man sich dann noch ein Schälchen Tiramisù genehmigen.

Für die Verdauungspause genügt ein "campiello", eines der typischen Plätzchen, an denen die "calli", die venezianischen Gassen, zusammentreffen und wo man gemütlich ein gutes Buch über die Kunst der Stadt lesen und eventuelle kulinarische Schuldgefühle vergessen kann.
NACHMITTAG
Nach so einem Vormitag können die Nachmittagsrituale im Zeichen eines belebenden spritz fortfahren, das heißt Weißwein mit Bitter und einem Schuss Selterswasser, den man entlang der Fondamenta delle Zattere genießen sollte, einem der schönsten Spazierwege Venedigs, der mit seinen Bauten aus dem 13. Jahrhundert auf den Giudecca-Kanal blickt. All dies, bevor man den Tag dann am Canal Grande mit einem feuerroten Sonnenuntergang über der Lagune zu Ende gehen lässt.

Ein ganzer Tag ohne Museen, aber sicherlich war es das wert...
ÜBERNACHTUNG

Albergo Hotel Danieli
Riva degli Schiavoni, 4196
30122 Venedig (VE)
Tel. und Fax: +39.041.5203356 - 26480
Internet: http://danieli.hotelinvenice.com/
233 Luxuszimmer und elegante Suiten
Alle Zimmer sind mit Klimaanlage, TV, direktem Telefonanschluss und Minibar ausgestattet


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