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Das Ritual des Kaffees
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| Wenn man von einem guten Kaffee spricht, denkt man unmittelbar an Neapel, die Stadt, die aus dem Kaffeetrinken einen regelrechten Kult gemacht hat. Die "tazzulella 'e cafè", d. h. das klassische Tässchen Kaffee, hatte allerdings ihre Ursprünge nicht hier: Wie auch bei der Pasta, haben die Neapolitaner erst relativ spät eine Tradition perfektioniert, die von weit her kam. Der Kaffe stammt, wie die Pasta, aus dem Orient: Er wurde von den Arabern entdeckt, die ihn in allen von ihnen eroberten Territorien verbreiteten. |
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ES WAREN EINMAL DIE KAFFEEHÄUSER... |
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Das erste "Kaffeehaus" Europas wurde 1640 in Venedig eröffnet und ihm folgte wenig später jenes in Paris, wo der Sizilianer Francesco Procopio de' Coltelli 1660 das berühmte Café "Procope" ins Leben rief, das zur Wiege des Illuminismus wurde. In Neapel hatte Kaffe bis Ende des 18. Jahrhunderts wenig Erfolg. Allerdings zirkulierten in der Stadt Notizen über dieses Getränk bereits seit Anfang des 17. Jahrhunderts, als der römische Musikologe und Reisende Retro Della Valle in seiner Korrespondenz aus Konstantinopel von Kaffe sprach und Informationen über seine Zubereitung und seinen Verzehr seitens der Türken nach Italien schickte. Anmerkungen über die Eigenschaften des Kaffees waren bereits in einer der bekanntesten Abhandlungen der Medizinschule aus Salerno vorhanden, welche auf das 14. Jahrhundert zurückgeht, und in der Tat war unter den Medizinern der Schule Salernos, das ganze 17. Jahrhundert über, eine rege Diskussion über die wahren Vorzüge des Kaffees im Gange.
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NEAPEL, HEIMAT DES KAFFEES |
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Die wahre Verbreitung des Kaffees in Neapel fand allerdings erst Anfang des 19. Jahrhunderts statt, als hier die Figur des ambulanten Kaffeehändlers auftauchte, der mit seinen "tremmoni" (Behältern), die randvoll mit Kaffee und Milch waren, bei Tagesanbruch durch die Straßen zog und stets einen Korb mit Tassen und Zucker bei sich hatte. Gleichzeitig tauchten in Neapel auch zahlreiche Cafés auf, die dem Beispiel ihrer in ganz Europa verstreuten Vorgänger folgten: Unter den berühmtesten erinnern wir an das Gambrinus, das Caffè Pinto, wo der Poet Leopardi seinen stark gesüßten Kaffee trank (scheinbar gab er sich mit nicht weniger als 12 Löffeln Zucker pro Tasse zufrieden!) und das Gran Caffè, Lieferant der Königsfamilie. In Neapel entstand unter anderem auch ein eigenartiges Getränk auf Kaffeebasis mit Sahne und Schokolade, das "barbajata" genannt wurde und seinem Erfinder Reichtum und Ruhm brachte, dem Mailänder Domenico Barbaja, legendärer Impresar des Theaters San Carlo und Entdecker von Talenten wie Rossini, Donizetti und Bellini.
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WIE MAN EINEN KAFFEE AUF NEAPOLITANISCHE ART ZUBEREITET |
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Um einen wahren Kaffee für Kenner zuzubereiten, ist die sogenannte neapolitanische "caffettiera" (ein besonderer Kaffeekocher) ausschlaggebend. Ihr Geheimnis liegt in dem "coppetiello", einem kleinen Kegel (der traditionsgerecht aus feuchtem Zeitungspapier geformt wird), der auf die Tülle des soeben umgerührten Kaffeekochers gegeben wird und die höchstwichtige Aufgabe hat, das Aroma und den Duft des Kaffees aufzufangen. Kaffe, welcher der berühmten Behauptung von Talleyrand nach, französischer Premierminister während dem Wiener Kongress 1815, auch heute noch diesen Namen nur verdient, wenn er "heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe" ist.
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